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Lisa im Barhocker Wald (Teil 1)

Es war einst ein wunderschöner Tag im Barhocker Land. Also machte sich Lisa auf den Weg, um einen Spaziergang zu machen. Als sie schon eine Weile unterwegs war, erreichte sie einen Wald. „Das muss der Barhocker Wald sein“, dachte sie sich. Sie war etwas ängstlich, da sie schon viele schlimme Geschichten über den Barhocker Wald gehört hat. Man erzählte sich, dass Menschen, die den Barhocker Wald betreten haben, nicht mehr gesehen wurden. Thekenstühle mit Chromgestell in den unterschiedlichsten Farben sollten wohl diesen Wald beherrschen. Hocker in schwarz, weiß, beige und creme, aber auch in leuchtenden kraftvollen Farben wie rot, weinrot, gelb, orange, blau und grün. Jedem dieser Barhocker sollte durch seine Farbe eine individuelle Kraft verliehen worden sein. So erzählte man sich zumindest.
Doch Lisa war neugierig, und so wagte sie ein paar Schritte in den Barhocker Wald. Nach ein paar Metern hörte sie etwas im Gebüsch rascheln. Nach genauem Hinsehen konnte sie eine gepolsterte Rückenlehne erkennen. Der weiße Barhocker drehte sich rasch um, und kam auf Lisa mit breitem Grinsen zu. Sie dachte sich, dass es ziemlich lustig aussah, wie sich der Tresenhocker mit seinem Trompetenfuß auf sie zubewegte. Er hatte einen gummierten Kratzschutz, wahrscheinlich um den Boden des Waldes nicht zu beschädigen.
„Hab keine Angst“, sagte der Barhocker, „ich tue dir nichts.“
„Wer bist du“, fragte Lisa.
„Meine Name ist Barhocker Theo Lounge“, antwortete der Tresenstuhl.
„Ich mag deinen gepolsterten Sitz, so schön abgesteppt“, sagte Lisa.
„Der ist aus Echt Leder, reißfest und robust, falls sich mal eine der Krähen an mir vergreifen sollte. Sehr gute Qualität und leicht zu reinigen. Hier im Wald kann es manchmal ganz schön dreckig sein“, erklärte der Barhocker.
„Dein Material hat wirklich eine sehr schöne Optik“, stellte Lisa fest.
„Ich werde dich ein bisschen begleiten, manchmal kann es hier sehr gefährlich sein für kleine Mädchen wie dich. Du kannst bestimmt nochmal meine Hilfe gebrauchen. Komm setze dich doch auf meinen runden Sitz.“ lud Barhocker Theo Lounge das Mädchen ein.
„Kannst du mich denn auch tragen?“
„Ich habe eine hohe Belastbarkeit, bis zu 130 kg. So viel wirst du wohl kaum wiegen, oder?“ sagte der Thekenstuhl und lachte laut auf.
Sie vertraute ihm und nahm Platz auf dem gepolsterten gesteppten weißen Sitz. Sie schmiegte sich in die schöne, aus Echt Leder gepolsterte Rückenlehne und spielte mit dem Gaslift, der die Sitzhöhe verstellen konnte.
„Bin ich denn hier auch sicher?“ fragte Lisa beunruhigt.
„Aber natürlich, der Gasdrucklift für meine Sitzhöhenverstellung ist doch vom TÜV geprüft. Mach dir keine Sorgen.“
Das beruhigte Lisa und fröhlich drehte sie sich auf dem gepolsterten Echt Leder Sitz umher, Theo der Barhocker war nämlich um 360 Grad drehbar.
Als sie tiefer in den Wald hineingingen, konnte Lisa immer die leuchtende gelbe Sonne durch die Bäume schimmern sehen. Plötzlich erblickten sie zwei weitere Barhocker.
„Hallo, wer seid ihr denn?“ fragte Lisa und wunderte sich, dass die zwei Barhocker so anders aussahen als Theo Lounge.
„Ich bin Barhocker Clemens und das ist Barhocker Sven,“ antwortete einer der Tresenstühle.
„Wieso seht ihr denn so anders aus als Barhocker Theo? Ihr und habt keine gepolsterte Rückenlehne, und euer Sitzbezug ist ja ein ganz anderes Material. Gar kein Echt Leder. Und eure Farbe ist auch ganz unterschiedlich.“ Lisa war verwirrt.
„Wir sind alle verschieden,“ erklärte Barhocker Clemens.
„Ich habe zum Beispiel einen runden gepolsterten Sitz mit kurzer Rückenlehne, aber keine Armstütze. Sven dagegen hat eine verchromte Armlehne. Uns gibt es aus Echt Leder, Rindsleder oder Kunstleder, manche von uns haben sogar einen Sitzbezug aus Kunststoff, der ungepolstert ist,“sagte Barhocker Clemens und spielte dabei an seiner Sitzhöhenverstellung.
„Wir leben hier alle sehr friedlich“, erzählte Barhocker Theo, „aber die Menschen denken, dass sie uns aus dem Barhocker Wald nehmen können, damit wir verschiedene Zwecke erfüllen. Sie wissen, dass wir sehr bequem und vielseitig einsetzbar sind, also stellen sie uns in Bistros, in Clubs, in ihre Küche und Bars oder präsentieren uns auf Messen oder Ausstellungen.“
„Weißt du Mädchen,“ fügte Barhocker Clemens hinzu, „es gab eine Zeit, da sind die Menschen nicht in den Barhocker Wald gekommen. Sie konnten Tresenstühle online bestellen, nur ein Barhocker, zwei, aber auch größerer Mengen. Sie konnten sich die Barhocker nach Hause liefern lassen aber auch persönlich im Laden oder Lager abholen, wie in Berlin zum Beispiel. Aber das Angebot der Barhocker war nicht so vielseitig. Sie konnten nicht so viele unterschiedliche Formen, Materialien bestellen, auch waren die Barhocker nicht in so vielen verschiedenen Farben erhältlich.“
Lisa war verwirrt. „Aber wieso wollen denn die Menschen so viele unterschiedliche Barhocker?“, fragte sie.
„Sie wollen natürlich bequem und komfortabel sitzen, moderne und leuchtende Farben haben, so wie gelb, orange, rot oder blau. Die Zeiten ändern sich, alles muss immer „zeitgemäß“ sein, sagen die Menschen. Chromgestelle, Sitzpolsterung, Formen und Farben der Barhocker müssen immer modern sein, Design Barhocker nennen sie das heute,“erklärte Barhocker Clemens.
„Aber was können wir tun, um den Barhocker Wald zu retten?“ fragte Lisa aufgeregt.
„Am besten gehen wir zu Barhocker Anja, die Herrscherin des Barhocker Waldes. Sie wird euch vielleicht erklären können, wie wir den Barhocker Wald und jeden einzelnen Thekenstuhl vor diesem schlimmen Schicksal bewahren können.“schlug Barhocker Theo vor.
Auf ihrem Weg zu Barhocker Anja bemerkte Lisa viele verschiedene Modelle von Tresenstühlen in den unterschiedlichsten Ausführungen. Alle waren sie sehr schön mit ihren Farben und Formen. Aber nicht nur Barhocker, sondern auch viele Menschen, meist Kinder tauchten auf. Als Lisa und ihre neuen Thekenstuhl Freunde immer näher kamen an das Lager von Barhocker Anja, reihten sie sich alle seitlich auf, fast so als hätte sie auf Lisa gewartet.
Als sie Barhocker Anja gegenüber stand, war ihr ein wenig bang zumute, aber dennoch war Lisa beeindruckt von dem Design der Herrscherin des Barhocker Waldes. Wie alle anderen hatte sie ein Chromgestell mit verstellbarer Sitzhöhe, und eine Fußstütze. Aber der Hebel für den Gasdrucklift war nicht, wie bei den anderen Thekenstühlen unterhalb des Sitzes, sondern direkt an dem Sitz. Anders war das wohl auch nicht möglich, denn der Sitz von Barhocker Anja war keilförmig und reichte bis an die Fußstütze. Ihr Bezug war aus Echt Leder in leuchtendem, kraftvollem rot.
„Mein Name ist Lisa,“ sagte das Mädchen mit zitternder Stimme.
„Willkommen im Barhocker Wald, Lisa“, antwortete Barhocker Anja.
„Die anderen Tresenstühle haben mir von eurem Dilemma erzählt. Was kann man denn tun um euch und den Wald zu retten?“ fragte Lisa die Herrscherin des Barhocker Waldes.
„Wir müssen uns wehren gegen die Menschen, die uns aus unserem Umfeld reißen und uns in Bars, Kneipen, Clubs und Discotheken stellen wollen. Wir lassen nicht mehr zu, dass sie uns auf Ausstellungen und Messen präsentieren und bloßstellen. Aber um uns wehren zu können, brauchen wir eine größere Menge von uns. Wir brauchen verschiedene Modelle von Barhockern, in allen Farben und Formen. Wir brauchen Barhocker mit kurzer Rückenlehne mit Kunststoffbezug und langer Chromfußstütze, Tresenstühle mit gepolstertem Sitz, gepolsterter Rückenlehne. Wir brauchen Barhocker mit rundem gepolstertem Sitz ohne Rückenlehne. Diese in den unterschiedlichsten Materialien. Wir brauchen Barhocker aus Echt Leder, aus Rindsleder, aus Kunstleder, aber auch aus Kunststoff. Nur eine Vielfalt an Modellen und eine große Menge von uns kann gegen die Menschen angehen. Ein oder zwei Barhocker alleine schaffen das nicht.“
„Aber ihr wollt den Menschen doch nicht weh tun, oder?“ fragt Lisa beunruhigt.
„Aber nein,“ sagt Barhocker Anja, „das Geheimnis liegt in unseren vielen unterschiedlichen Farben.“
„Euren Farben?“ Lisa ist verwundert.
„Ja, unseren Farben. Jede unserer Farben hat eine individuelle Kraft und kann viel bewirken.So betrachte zum Beispiel Barhocker Simon. Er ist ein Tresenstuhl, der erhältlich ist in weiß, schwarz und rot.“
Lisa blickte auf den Barhocker mit dem schalenförmigen Kunstleder Sitz. Er war rot, wie Barhocker Anja, nur weniger kraftvoll.
„Aber er ist doch nur rot und nicht dreifarbig“, merkte Lisa an.
„Das ist richtig, aber seine Kinder sind Barhocker schwarz und Barhocker weiß. Jeder Barhocker kommt hier mit einer Farbe auf die Welt. Kinder sind weiß oder schwarz. Das ist so ähnlich wie bei euch Menschen die Unterscheidung zwischen Mädchen und Jungen. Mit dem Alter und mit der Weisheit erhalten die Barhocker immer unterschiedliche Farben. Von weiß, über beige und creme, bis hin zu gelb, grün, blau und rot.“
„Deswegen bist du so leuchtend rot!“ bemerkte Lisa.
„Richtig. Und jede einzelne dieser Farben hat eine individuelle Kraft. Weiß kann für kurze Zeit bei den Menschen Vergesslichkeit auslösen. Sie wissen nicht mehr, was für einen Barhocker sie wollen, welche Form, welches Material, ob Echt Leder oder Kunstleder. Das hält aber nur für kurze Zeit. Die Farbe Rot löst bei dem Menschen Gleichgültigkeit aus. Bis auf die typischen Eigenschaften wie das Chromgestell mit Fußstütze, den drehbaren Sitz und die Sitzhöhenverstellung haben sie keine weiteren Ansprüche an die Barhocker. Es ist ihnen egal ob der Tresenstuhl einen gepolsterten Sitz hat oder eine Rückenlehne für den Komfort. Wenn genug Barhocker sind, die die rote Stufe erreicht haben, dann können wir die Menschen dazu bringen, ihre Stühle wieder online im shop zu bestellen mit einer Lieferung nach Hause, und nicht mehr in den Barhocker Wald zu kommen. Aber dafür brauchen wir noch eine viel größere Stückzahl von den verschiedensten Thekenstühlen. Die Hilfe der Menschen – also auch deine Hilfe – brauchen wir, damit wir robust und stabil bleiben. Wir brauchen jemanden, der die Reinigung unseres Sitzbezuges übernimmt oder regelmäßig mit uns zum TÜV geht, um unseren Gasdrucklift zu überprüfen. Oder einfach nur, um auf unserem bequemen Sitz Platz zu nehmen und den Sitz zu drehen, damit das Chromgestell nicht einrostet.“erklärte Barhocker Anja.
„Ich verstehe.“ sagte Lisa.
„Also was denkst du, wirst du uns helfen?“ fragte die Herrscherin des Barhocker Waldes.
„Ja, ich werde euch helfen.“ antwortete Lisa überzeugt, denn nun machten auch all die Gerüchte über den Barhocker Wald für sie mehr Sinn.

Fortsetzung folgt….